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Manuel Andrack steht Rede und Antwort

Das Wandern ist des Andracks-Lust! Bei unserer gemeinsamen Wanderung Anfang Oktober hat sich der Wanderexperte jede Menge Zeit genommen, um Ihre eingesandten Fragen zu beantworten. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Zu welcher Zeit ist der Neanderlandsteig in Nordrhein-Westfalen in die Nähe von Solingen am Schönsten zu erwandern?

Natürlich zu jeder Jahreszeit. Das ist nicht hochalpin, das kann man auch im Winter gehen. Am schönsten finde ich es aber ehrlich gesagt im Herbst.

Haben Sie die Premium Wanderwege in und um Albstadt schon bewandert?

Selbstverständlich. Das sind die Traufgänge und ich habe, glaube ich, bis auf zwei alle gesehen. Sehr empfehlenswert. Deutschlandweit absolut einzigartig, diese Albtrauf zu erwandern mit Blick auf Hohenzollern.

Sind Sie schon mal den Jakobsweg gewandert?

Nur einen Tag lang. Interessantes Experiment. Umgekehrt in Compostela gestartet und die letzten 25 km in der falschen Richtung gegangen. Also den Pilgern entgegen. War sehr spannend und auch sehr empfehlenswert, denn früher, als es noch keine Eisenbahn und kein Flugzeug gab, sind die Pilger, nachdem sie in Compostela waren auch wieder zurückgewandert. Das sollten sich jetzt die Jakobspilger auch mal hinter die Ohren schreiben.

Welcher Teil Deutschlands gefällt Ihnen zum Wandern am besten?

Ein ganz klein bisschen liegt die Eifel für mich vorne. Aber ich bin in den letzten Jahren eigentlich alle deutschen Mittelgebirge gegangen und selbst Flachland, Norddeutschland und Niederrhein. Und es ist alles fantastisch. Kleiner Geheimtipp: Rhön und auch ganz weit vorne, sogar noch vor der Eifel, die Sächsische Schweiz.

Wandern Sie auch im Schwarzwald?

Ja. Der Schwarzwald war ehrlich gesagt ein bisschen hintendran, weil Regionen wie Eifel im Hunsrück und Taunus aufgeholt haben mit tollen Wegen. Jetzt hat sich im Schwarzwald aber viel getan und ich bin in den letzten Jahren dort fantastische Wege gegangen.

Welche Wanderausrüstung ist die beste?

Soll das ein Witz sein? Natürlich nur die, die von mir mit meiner Jahrtausende langen Wandererfahrungen entwickelt wurde. Zusammen mit Walbusch. Bald sind wir bei sechs Ausrüstungsgegenständen: Hose, Hemd, Jacke, Rucksack, Zwischenjacke (also eine dünne Jacke für Frühjahr und Herbst oder auch im Winter zwischen Hemd und Jacke). Als nächstes kommt noch ein T-Shirt. Dann ist man auf jeden Fall für alle Wanderwege gerüstet.

Können Sie einen Wanderweg in Niedersachsen empfehlen?

Ja, ich kann in Niedersachsen den Hexenstieg im Harz empfehlen. Der gehört teilweise zu Niedersachsen und teilweise zu Sachsen-Anhalt. Das ist ein sehr spannender Wanderweg.

Was ist bei der Wanderung besser? Wanderjacke oder Poncho?

Außer bei wirklichem Sturzregen bin ich noch nie mit Poncho gewandert und ehrlich gesagt sieht das auch nicht gut aus. Also auf jeden Fall Wanderjacke.

Was halten Sie von Trekkingstöcken?

Wer sie aus gesundheitlichen Gründen braucht, sollte sie nutzen. Wenn ich im Hochgebirge bin und es, wie kürzlich in den Schweizer Alpen 1500 Höhenmeter runtergeht, sollte man das nicht unterschätzen. Gerade mit ein bisschen mehr Kilo, so wie bei mir, ist es für die Knie dann schon schöner Stöcke zu haben. Von Nordic Walking bin ich kein Fan. Aber wenn man wie gesagt im Hochgebirge unterwegs ist, sind Trekkingstöcke hilfreich.

Unternehmen Sie nur vorbereitete Wanderung oder laufen Sie auch spontan los?

Wie ich schon in meinem ersten Wanderbuch schrieb, ist Planung ein Vergnügen für sich; die Wanderwege zu planen und sich darauf zu freuen. Deswegen bereite ich mich gerne auf Wanderungen vor und freue mich auch immer, wenn andere Leute sich vorbereitet haben, wenn ich also einen Weg gehen kann, wo ich keine Wanderkarte dabeihaben muss oder eine entsprechende App, wo ich dann die Markierungen habe und mich orientieren kann.

Was sollte man beim Wandern auf keinen Fall tun?

Sich hetzen! Also bitte schön langsam und auch mal hinsetzen und vor allem einkehren.

Wie muss ich (60 Jahre alt) mich für den Jakobsweg vorbereiten?

Gute Frage. Möglichst intensiv. Man sollte das nicht unterschätzen. Ein Onkel von mir, auch damals so zwischen 60 und 70, wollte mal den ganzen Eifelsteig wandern und hatte alle Stationen, alle Hotels gebucht, von Aachen bis Trier. Er ist drei Etappen weit gekommen. Er hatte es dann doch mit dem vielen Gepäck unterschätzt. Auch die Höhenmeter. Man sollte also auf einem Deutschen Weiterwanderweg mal sieben Tage am Stück wandern, auch mit Gepäck, um dann zu gucken, wieviel man sich zumuten kann. Natürlich auch, um ein bisschen trainiert zu haben. Man kann sich auf dem Jakobsweg aussuchen, ob man 10, 15, 30 Kilometer am Tag geht. Natürlich kann man mal 30 Kilometer an einem Tag wandern, aber wenn man dann vier Tage kaputt ist und im Bett liegt, bringt das auch nichts. Also Training auf jeden Fall. Eher zu viel als zu wenig trainieren.

Gibt es besondere Empfehlung für adipöse Wanderer (64 Jahre), die jetzt mit dem Wandern beginnen wollen?

Also natürlich ist die Wahl der Kleidung wichtig. Es macht einfach mehr Spaß, wenn man nicht in Jeans und Businesshemd wandert, das wird dann doch recht ungemütlich. Das wichtigste ist, mit einfachen Strecken anzufangen, wenn man ein paar Kilo zu viel hat. Flache Strecken und wenig Kilometer. Es ist egal, ob man das Spaziergang nennt oder Wanderung. Am Ende des Tages, wenn man 3 Kilometer geht und denkt, das hat Spaß gemacht, dann geht man halt am nächsten Wochenende 4 und irgendwann geht man 6. Es kommt nicht darauf an, Kilometer zu schrubben, sondern auf das Naturerlebnis.

Konnten Sie Harald Schmidt schon mal zum Mitwandern überreden?

Nein. Wir haben uns zwar sehr oft über die Ahr unterhalten, da kann man übrigens jetzt auch schon wieder wandern, zumindest auf den Höhen. Und er hat auch in der Show immer meinen Wandertipp zur Ahr wiederholt: nicht am Fluss wandern, sondern oben auf der Höhe. Aber wir haben immer versucht, Arbeit und Freizeit auseinanderzuhalten. Deswegen sind wir auch nie zusammen gewandert.

Welche Wanderung hat sie an ihre Grenzen gebracht?

Das war keine Wanderung, sondern eher im Hochgebirge. Die Tour auf die Watzmann Ostwand, vor allem runter. Das ging nicht nur an meine Grenzen, sondern über meine Grenzen. Nachzulesen auf meiner Homepage.

Welche Vor- und Nachteile hat das Wandern?

Jede Menge. Es macht glücklich. Es ist gesund. Man ist an der frischen Luft. Nachteile gibt es nicht.

Haben Sie Ihre schmerzhaften Erfahrungen mit Nordic Walking Stöcken wiederholt?

Ich bin mal bei einer Nachtwanderung von einem vor mir gehenden Nordic Walker mit den Stöcken getroffen worden. Und nein, ich habe danach immer versucht mich von denen fernzuhalten.

Wie hoch sind die Schwierigkeitsgrade Ihrer Wanderungen?

Je älter, desto geringer. Als ich anfing war ja alles unter 40 km am Tag Kindergeburtstag. Mittlerweile bin ich Genusswanderer. Es gibt manchmal alpine Wanderführer, in denen schwarz die schwersten Routen sind. Das brauche ich nicht mehr, aus dem Alter bin ich raus.

Wie vermeide ich Blasen an den Füßen?

Indem man das richtige Schuhwerk nutzt. Das ist das A und O. Socken sind ein bisschen überbewertet, sollten schon gut sein, aber meistens wandere ich auch ehrlich gesagt mit Tennissocken, weil ich das am bequemsten finde. Aber es kommt wirklich auf die Schuhe an.

Wie viele Wandererstrecken gehen Sie im Monat?

In der Wandersaison von April bis Oktober ungefähr zwei bis drei die Woche also 10 im Monat. Da sind aber auch ganz kurze Touren dabei, also auch 2-3 Stunden Touren in der Woche mit dem Hund. Das ist wie gesagt Genusswandern, keine Tagestouren, keine Alpenüberquerung, alles niederschwellig.

Was macht Wandern für Sie so bedeutend?

Das Wanderglück treibt mich immer wieder auf die Strecke.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Wanderrouten aus?

Ganz eindeutig Qualitätskriterien. Also am liebsten Premiumwege. Das sind sozusagen die 5 Sterne Wanderwege Deutschlands.

Wie intensiv prüfen Sie für Wanderungen den Wetterbericht? Verlassen Sie sich völlig auf die Wettervorhersagen oder auf Ihr eigenes Wettergefühl?

Ich habe kein Wettergefühl, mein Wettergefühl heißt wetteronline.de. Die haben immer recht. Ich bin leidenschaftlicher Schönwetterwanderer, Warmduscher, im Schatten Parker. Ich sehe überhaupt keinen Sinn darin, auf Teufel komm raus zu wandern, wenn es regnet. Unterhaltungen, das Gespräch, wenn man mit mehreren Leuten unterwegs ist, das Wohlbefinden – das ist bei tollem Wetter etwas ganz anderes.

Ich nehme gerne meinen Hund mit auf Touren. Welche Kriterien sind für Sie in einem solchen Fall unabdingbar?

Das kommt auf den Hund an. Wenn ich einen Hund habe, der zufrieden ist, die ganze Zeit an der Leine zu gehen, kann ich im Prinzip überall gehen, wo ich will, auf normalen Wanderwegen. Ich gehe am liebsten mit meinem Hund ohne Leine und deshalb gucke ich, dass ich sowohl von den Wegen als auch von den Wanderzeiten gehe, wenn möglichst kaum einer unterwegs ist. Wenn uns andere Hunde entgegenkommen, dann muss ich ihn natürlich an die Leine nehmen. Ich suche wirklich mit dem Hund Touren aus, bei denen ich weiß, dass wenig los ist.

Womit wandere ich am besten bei Regen?

Also ich bin ein totaler Regenschirm-Fan. Beim Poncho geht es immer so: Anziehen. Ausziehen. Regenhosen finde ich ganz furchtbar, da schwitzt man unfassbar drin. Am besten trägt man eine Wanderhose von Walbusch, dann braucht man auch keine Regenhose. Mit einem Regenschirm stößt man allerdings an seine Grenzen, wenn es ein bisschen windig ist. Dann faltet der sich auch schnell mal zusammen. Ich habe zur Not auch einen Poncho, aber auch erst seit zwei Jahren. Aber am allerliebsten mit Kapuze.

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