Schall und Brauch

    Blei gießen, Champagner trinken, Dinner for one sehen – das kennen Sie alles. Aber wissen Sie, was Rummelpott oder Wurstkommissare mit Silvester zu tun haben? Wir stellen Ihnen ungewöhnliche Bräuche aus den Regionen vor.

    Eine Hand hält eine Wunderkerze, die am leuchten ist und Funken sprüht.

    Am Anfang war der Kalender

    Bevor wir mit den Ritualen beginnen, geht’s erstmal ums Datum. Denn, dass das alte Jahr am 31. Dezember endet und das neue am 1. Januar beginnt, ist gar nicht so selbstverständlich.

    Obwohl der 1. Januar als Jahresbeginn schon von Julius Caesar im Jahr 46 v. Chr. festgelegt wurde, veränderte sich der Termin im Laufe der Jahrhunderte. Noch im Mittelalter fand Silvester zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt. Mal an Weihnachten oder auch am Dreikönigstag, dem 6. Januar. Das änderte sich im 16. Jahrhundert, als der Gregorianische Kalender eingeführt wurde. Er ist der bis heute weltweit am meisten verwendete Kalender. Mit ihm legte Papst Innozent XII. 1691 den Jahresbeginn erneut auf den 1. Januar.

    Poltern an der Küste

    Am letzten Tag des Jahres dreht sich an der Nordküste alles um den Rummelpott. Kinder gehen von Haus zu Haus, bunt angezogen und auffällig geschminkt. Sie haben einen Topf dabei, mit dem sie höllischen Lärm machen und die bösen Geister vertreiben. Wie zu Sankt Martin singen sie vor den Türen und werden von den Hausbesitzern mit Süßigkeiten beschenkt. Zum Abschied wünschen sie ein „Frohet Neejohr. Schiet op ole Johr!“ und ziehen munter weiter. Auch Erwachsene sind bei dem Spaß dabei, mit einem gravierendem Unterschied: Ihr Gesang wird oft mit Hochprozentigem gedankt.  

    Würste an der Stange im Siegerland

    Im Örtchen Salchendorf geht’s am 31. Dezember zu wie an Karneval. Denn die Einwohner machen einen Umzug, bei dem sie das Dorfgeschehen mit Witz und Humor in Szene setzen. Anders als zur Fastnacht sind an dem Tag aber auch die Salchendorfer Wurstkommissare unterwegs: Nachmittags ziehen sie durchs Dorf und bitten die Bürger um Würste, die sie an einer Stange befestigen und die später zu einer kräftigen Suppe verkocht werden. Die „Wurstekommission Salchendorf“ gibt es bereits seit den 1920er Jahren.

    Mystische Nächte in den Alpen

    In Bayern fällt der Übergang zum neuen Jahr in die Zeit der so genannten Rauhnächte, die vom 24. Dezember bis 6. Januar herrschen. Sie gelten als die geheimnisvollste Zeit des Jahres, Geister und Dämonen toben auf der Erde. Und sie sind der Grund dafür, dass manche Familien weder Wäsche waschen noch sie aufhängen. Dem alten Volksglauben nach, können sich Dämonen darin verfangen oder Bettlaken stehlen und sie als Leichentücher verwenden.
    Der Höhepunkt der Rauhnächte ist die Silvesternacht. Denn dann stehen die Tore zum Geisterreich offen. Um diese Zeit finden im Süden Deutschlands, in Österreich und der Schweiz die Perchtenläufe statt: Menschen in zotteligen Fellkostümen verkleidet, mit handgeschnitzten Holzmasken und schweren Glocken geschmückt, vertreiben die Geister.

    Das Wort Rauhnächte leitet sich im Übrigen von „rauch“ ab, das früher „behaart“ und „pelzig“ bedeutete.

    Klausen in der Schweiz

    Sie tragen schwere, große Masken, Glocken und Schellen und ziehen auf eigenen Routen von Bauernhof zu Bauernhof. Der Brauch des Silvesterklausens wird ausschließlich im Appenzeller Hinterland gefeiert und von Männern zelebriert. Das Ritual folgt einem festen Ablauf: Die Kläuse bilden einen Kreis, bewegen ihre Schellen rhythmisch und singen ein „Zäuerli“, eine Jodel-Art. Üblicherweise wiederholen sie ihren Gesang dreimal. Danach wünschen die Kläuse der Familie ein gutes Jahr und machen sich zum nächsten Hof auf – was gar nicht so leicht ist, denn die Verkleidung kann bis zu 30 Kilogramm wiegen.

    Guten Rutsch und schöne Reise

    Wenn wir Freunden und Familie einen guten Rutsch wünschen, kann das zweierlei heißen. Einige Sprachwissenschaftler vermuten, dass Rutsch auf das hebräische „Rosh“ zurückzuführen ist, das „Anfang" bedeutet. Andere wiederrum leiten es von Reise ab, das im Altdeutschen „Rutsch“ heißt. Gleichgültig welche Herkunft richtig ist – in beiden steckt Positives.

    In diesem Sinne: Wir wünschen ein wunderschönes neues Jahr und einen Guten Rutsch!

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